Kurzer Abriss über den Ort und seine Geschichte

Elgersburg liegt am Nordrand des Thüringer Waldes in der Nähe der Universitätsstadt Ilmenau (ca. 4 km entfernt) und des bekannten Wintersportortes Oberhof (ca. 15 km entfernt).

Seine Entstehung und seinen Namen verdankt der Ort der "Elgersburg", die vermutlich zwischen 1056 und 1088 auf einem Bergkegel aus Porphyrgestein erbaut wurde. Die Burg wurde errichtet, um die von Franken über Thüringen nach Norddeutschland führenden Handelsstraßen zu sichern und zu bewachen.

Im Umfeld und im Schutz dieser Burg kam es zur Ansiedlung erster Bewohner, deren Tätigkeiten und Broterwerb eng mit dem regen Handelsverkehr verbunden war (Stellmacher, Schmiede, Herbergsbesitzer, Bauern und Fuhrleute ..). Aus dieser "Burgsiedlung" entstand der spätere Ort Elgersburg. Die erste offizielle urkundliche Erwähnung der Burg stammt aus dem Jahr 1139.

(Mehr Informationen über die Geschichte von Schloss Elgersburg erfahren Sie auf dem Internet-Auftritt des Schlosses).

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Schloss Elgersburg

In den nächsten Jahrhunderten entwickelten sich neben dem Handel die Landwirtschaft und  Anfänge der Forstwirtschaft weiter, hinzu kam als neuer Erwerbszweig der Bergbau, so dass es in und um Elgersburg verhältnismäßig gute Erwerbsmöglichkeiten gab und damit die Bevölkerungszahl zunahm.

Die Elgersburger St. Nikolauskirche wurde 1758 - 60 erbaut und trägt den Namen des Heiligen Nikolaus, weil dieser als Schutzpatron denjenigen, die auf Meeren und Straßen unterwegs waren, sicheres Geleit geben sollte.

Anfang des 19. Jahrhunderts wurden Pläne entwickelt, in Elgersburg Steingut und später Porzellan herzustellen, die Anregung dazu gab der Techniker und Fabrikant Chr. L. Droesse. Dieses Konzept beruhte darauf, dass es in Elgersburg und seiner Umgebung mit Sand und Ton, Holz und Wasser sowie bestimmten Zuschlagstoffen ausreichend Rohstoffe für die Steingutherstellung gab. Gemeinsam mit den Kaufleuten Arnoldi und Madelung aus Gotha wurden nicht mehr benötigte Gebäude aus dem Umfeld der Burg gekauft und in Fabrikationsgebäude umfunktioniert. Im August 1808 begann die Produktion der Steinguterzeugnisse, die sich großer Nachfrage erfreuten und auf Grund der Nähe zu den wichtigen Handelswegen gut vertrieben werden konnten.

Später wurde die Produktion von Hart- und Laborporzellan beträchtlich erweitert und noch bis Mitte der 1980-iger Jahre wurde das Elgersburger Laborporzellan hergestellt.

In der denkmalgeschützten Elgersburger Massemühle kann man sich über  die geschichtlichen Hintergründe der Porzellanindustrie und die damaligen Produktionsabläufe informieren.

1871 wurden in Elgersburg die ersten Thermometer- und Glasinstrumentefabriken gegründet, die beiden größten gehörten B. Fliedner bzw. H. Koberne. In der Folgezeit kamen mehrere Kleinbetriebe mit einer ähnlichen Ausrichtung hinzu, besonders gefragt waren Fieberthermometer sowie chirurgische Glaswaren und Instrumente; Zuarbeiten wurden häufig von Glasbläsern in Heimarbeit geleistet.

Seit den 1820-iger Jahren wird die Geschichte Elgersburgs durch seine Entwicklung zum Kurort bestimmt. Der Geschäftsmann Jakob Gräser besaß in dieser Zeit mehrere Kleinunternehmen und Geschäfte sowie Dampfbäder und Saunen in Elgersburg. Seit 1828 wurde damit eine Form der Hydrotherapie ermöglicht und diese Jahreszahl gilt auch als Beginn des Kurwesens in Elgersburg.

Auf Grund seiner Kontakte und Beziehungen zu Partnern aus der engeren und weiteren Umgebung erfuhr Gräser von neuartigen Möglichkeiten der Heilbehandlung von rheumatischen, nervösen, neurasthenischen u. a. Beschwerden. Da in Elgersburg durch die Vielzahl an Quellen und eine hohe Wasserqualität derselben ideale Voraussetzungen für solche Heilbehandlungen gegeben waren, gründete Gräser gemeinsam mit dem Kaufmann Emil Schmidt 1837 die erste  Kaltwasserheilanstalt Thüringens, vermutlich sogar die erste auf dem jetzigen Territorium Deutschlands. Unterstützung fand er in den Badeärzten Dr. Martini, Dr. Barwinski und  Dr. Piutti.

Am Einweihungstag der Kaltwasserheilanstalt (28.05.1837) verlieh  Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg-Gotha dem Ort den wichtigen Beinamen Bad Elgersburg.

Während im Jahr 1840 ca. 150 Kurgäste zur Behandlung in Elgersburg weilten, waren es 1905 ca. 2.500 Heilungssuchende. Die Gesamtzahl der Kurgäste vom Tag der Einweihung 1837 bis zum Beginn des 1. Weltkrieges belief sich auf über 90.000 - eine enorme Zahl, wenn man bedenkt, dass die Dauer der Kur im Schnitt zwischen 4 und 10 Wochen betrug, im Einzelfall (s. Edvard Munch) sogar deutlich länger. Die Zahl der Einwohner verdoppelte sich im gleichen Zeitraum von etwa 700 auf 1400 .

(Anmerkung: Während im benachbarten Kurort Bad Ilmenau im Zeitraum zwischen 1880 und 1915 die Einwohnerzahl doppelt so hoch war wie die Zahl der jährlichen Kurgäste, war dieses Zahlenverhältnis in Bad Elgersburg umgedreht, was sehr für die Wirtschaftlichkeit des deutlich kleineren Ortes sprach.)

Ein weiterer Meilenstein für die Entwicklung des Ortes war die Fertigstellung der Eisenbahnverbindung von Arnstadt nach Ilmenau im Jahr 1879. Damit war Bad Elgersburg noch schneller für Kurgäste, aber auch für Angestellte und Mitarbeiter in den Kureinrichtungen, Hotels und Pensionen erreichbar.

Direkt gegenüber dem Bahnhof (der 2016 in den Besitz der Gemeinde Elgersburg überging und anschließend wunderbar restauriert wurde) entstand ein Hotel, das 1886 fertiggestellt wurde und als "Hotel Victoria" Kurgäste und Geschäftsreisende beherbergte. In diesem Hotel logierte auch Edvard Munch während seines Kuraufenthaltes 1905/06.

Wegen beträchtlicher Schäden nach einem Brand im Jahr 1907 musste das Hotel an die Reichsbahn verkauft werden und öffnete nach den Instandsetzungsarbeiten im Folgejahr als "Eisenbahner-Genesungsheim".

Zur Blütezeit des Kurortes um die Jahrhundertwende gab es im Ortsbereich 4 große Hotels, 4 Gasthäuser mit Pensionsbetrieb und 5 große Restaurants; dazu mehrere kleine Pensionen, Cafes und Fremdenzimmer mit Bewirtung - aus heutiger Sicht beneidenswert .....

Der 1. Weltkrieg bedeutete das Ende für den umfassenden Kurbetrieb in Elgersburg. Ein großer Teil der Kurgebäude und der dazugehörigen Einrichtungen musste verkauft werden. In den geeigneten Gebäuden entstand eine Feuerzeugfabrik und eine Metallwarenfabrik, die jeweiligen Besitzer bauten sich Anfang der 1920-iger Jahre großzügige Villen im ehemaligen Kurpark. Nach 1945 wurde eine der Villen als Entbindungsheim ("Mutterliebe"), die zweite als Kinderheim ("Adam-Kuckhoff-Heim") umgestaltet und genutzt. (Anmerkung: Im Zeitraum 1945 bis zum Ende der 1960-iger Jahre gab es ca. 12.000 Entbindungen in der "Mutterliebe", die meisten davon unter sachkundiger Mithilfe der legendären Schwester Martha).

Erwähnenswert ist aus diesem Jahrzehnt auch die Tatsache, dass in Elgersburg mit A. Müller 8 Jahre lang ein kommunistischer Bürgermeister dem Gemeinderat vorstand und dass 1925 die Internationale Rote Hilfe das MOPR-Kinderheim eröffnete.

Im Zuge der Fortsetzung eines umgestalteten Kurbetriebes in Elgersburg sicherte sich die DEVO (Deutsche Volkserholungsheime eGmbH) weitere Gebäude, so wurde 1923 das Preiß'sche Sanatorium und später das Hotel "Herzog Ernst" mit den Villen Alexandrina und Berolina erworben und 1924 das Schloß gepachtet und mit Gästen belegt. Elgersburg konnte mit der Bezeichnung "Höhenluft-Kurort" werben, war nun auch für alle Bevölkerungsschichten offen und erlebte einen erneuten Aufschwung im Gäste- und Besucheraufkommen. Auch die Einwohnerzahl stieg weiter an auf 1.600 (1938).  Diesmal beendete der 2. Weltkrieg die Ära eines florierenden Urlaubs- und Kurortes ......

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